Sprit im Ausland: Benzinpreise in Europa weiter hoch

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Von Regina Ammel, Katharina Dümmer

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Tankstelle mit Beleuchtung von Philips
Tanken in Österreich ist ebenfalls deutlich teurer geworden – aber meist noch günstiger als in Deutschland© Philips

Reisende, die jetzt mit dem Auto ins Ausland fahren oder auf dem Heimweg sind, können trotz der derzeit sehr hohen Kraftstoffpreise je nach Reiseland Geld sparen. Warum Tanken in anderen Ländern immer noch günstiger ist.

  • Einige Länder deckeln die Spritpreise

  • Tanktourismus nicht immer ratsam

  • Auch im Ausland regionale Unterschiede

Wer zu einer Autofahrt ins Ausland startet, tankt häufig hinter der Grenze billiger. Insbesondere wenn es in Richtung Osten oder Südosten geht, sind die Spritpreise fast immer deutlich niedriger als in Deutschland. Dies geht aus Daten der EU-Kommission hervor. Dieser Trend setzt sich derzeit auch trotz des Irankriegs fort. Allerdings sind die Unterschiede nicht mehr ganz so groß wie zu Beginn der Krise.

Auch im Ausland sind die Benzinpreise dynamisch

Reisende sollten beachten, dass die Kraftstoffpreisentwicklung dieser Tage sehr dynamisch ist. Es ist weiter keine kurzfristige Entspannung an den Tankstellen zu erkennen.

Laut der ADAC Preiserhebung von Mittwoch, 22. April, kostet in Deutschland derzeit Diesel 2,127 Euro und Super E10 2,063 Euro je Liter. Auch in den anderen europäischen Ländern sind die Kraftstoffpreise weiterhin hoch. Einige Länder haben darauf mit Steuersenkungen oder Preisbremsen reagiert. Die Bundesregierung in Deutschland hat sich am 13. April, für Entlastungsmaßnahmen entschieden und die Senkung der Energiesteuer sowie eine Entlastungsprämie verkündet.

Es gibt – nicht nur wegen der aktuellen Maßnahmen – Länder, in denen man sein Fahrzeug günstiger als in Deutschland betanken kann. Dazu gehören grundsätzlich meist Luxemburg, Österreich, Polen, Slowenien und Tschechien.

Spritpreisbremse in Österreich wieder außer Kraft

Sprit in Österreich ist wegen der niedrigeren Mineralölsteuer dort generell etwas günstiger als in Deutschland. Aber auch hier sind die Preise wegen des Irankriegs gestiegen. Zwischen Anfang März und Anfang April war der Preis für Diesel um rund 70 Cent, für Benzin um 40 Cent pro Liter gestiegen, im Monats-Durchschnitt war Diesel um 46,3 Cent, Super um 28,2 Cent teurer als im Februar.

Seit Montag, 13. April, gilt an österreichischen Tankstellen wieder die alte Regel: Preiserhöhungen sind täglich möglich. Die befristete Drei-Tages-Regel, die am 16. März in Kraft getreten war, ist somit ausgelaufen.

Polen setzt Preisgrenze

Weil das Tanken auch in Polen teurer geworden ist, gibt es seitens der Regierung Entlastungen. Die Mehrwertsteuer auf Benzin und Diesel wurde von 23 auf 8 Prozent gesenkt und das Energieministerium wird täglich einen Höchstpreis für die Kraftstoffe festlegen. Die Regierung rechnet damit, dass die Preise für Benzin und Diesel um umgerechnet 28 Cent pro Liter sinken.

Beschränkungen beim Kraftstoffverkauf sind nicht geplant. Allerdings will die polnische Regierung den Markt im Hinblick auf ein mögliches Auftreten von Tanktourismus beobachten. Sollte dieser zunehmen, sei die Einführung zusätzlicher Gegenmaßnahmen möglich, kündigte Ministerpräsident Donald Tusk an.

Slowenien: Günstig tanken mit Deckelung

Derzeit ist Sprit in Slowenien vergleichsweise günstig, da der Preis gedeckelt wird. Die Regierung hat die Verordnung zur Begrenzung der maximal verkauften Kraftstoffmenge, die Ende März in Kraft getreten wäre, zurückgenommen. Ein Liter Super E10 kostet derzeit 1,61 Euro (an Autobahnen 1,76 Euro), Diesel 1,74 Euro (bzw. 1,86 Euro).

Tschechien deckelt Spritpreise

Tschechien deckelt nun auch die Spritpreise an den Tankstellen. Seit 8. April gelten zulässige Höchstpreise. Die Vorgaben sollen täglich aktualisiert werden. Die Regierung in Prag hatte beschlossen, die Margen der Mineralölunternehmen zu begrenzen und die Verbrauchsteuer auf Dieselkraftstoff zu verringern. Die Spritpreis-Deckelung dürfte sich nach Angaben von Beobachtern insbesondere in der Hauptstadt Prag und entlang der Autobahnen auswirken, wo in der Regel die höchsten Preise gezahlt werden.

Kroatien: Staatlich regulierte Höchstpreise

Auch Kroatien hat abseits von Autobahnen und Schnellstraßen staatlich regulierte Höchstpreise, die üblicherweise unter den deutschen Durchschnittspreisen liegen. Die Preise an den Autobahnen sind höher. Super E10 kostet derzeit 1,64 Euro (an den Autobahnen 1,66 Euro), Diesel 1,78 Euro (an Autobahnen 1,87 Euro).

Italien senkt die Kraftstoffpreise per Dekret

Derzeit tankt man auch in Italien deutlich günstiger als bislang. Die italienische Regierung hat eine Senkung der Steuern auf Benzin und Diesel beschlossen und umgesetzt. Damit werden die Kraftstoffpreise um 25 Cent pro Liter gesenkt. Mit dieser Maßnahme reagiert Italien auf die stark gestiegenen Preise an den Zapfsäulen. Die Regelung gilt vorerst bis 1. Mai.

Spritpreise: Obergrenze in Ungarn

Auch Ungarn reagiert auf die hohen Kraftstoffpreise mit einem Preisdeckel. Zudem gibt die Regierung staatliche Öl-Reserven frei.

Wichtig für Reisende: Laut der Deutschen Presse-Agentur gelten die maximalen Treibstoffpreise "nicht für die Betankung von Fahrzeugen mit ausländischen Kennzeichen". Urlauber und Urlauberinnen profitieren demnach nicht von den gedeckelten Preisen und müssen teurer tanken.

Slowakei: Wer aus dem Ausland kommt, zahlt mehr

Der Tanktourismus in die Slowakei hat im März zu Engpässen an den Tankstellen geführt. Und die slowakische Regierung hat darauf reagiert. Derzeit gelten für Reisende aus dem Ausland höhere Dieselpreise als für Inländer. Der Preis, den ausländische Autofahrer und Autofahrerinnen bezahlen müssen, setzt sich aus dem ermittelten Durchschnittspreis der Länder Österreich, Tschechien und Polen zusammen und beträgt derzeit 1,905 Euro pro Liter.

Die Beschränkung des Kraftstoffverkaufs (Verkauf von Treibstoff nur bis 400 Euro pro Fahrzeug) wurde inzwischen aufgehoben. Weiterhin gilt: Die Mitnahme von mehr als 10 Litern in Kanistern verboten.

Gewinndeckelung in Griechenland

Die griechische Regierung vermutet Wucher hinter den drastisch gestiegenen Spritpreisen und hat deshalb eine Gewinndeckelung verfügt. Raffinerien dürfen ab sofort höchstens 5 Cent pro Liter Kraftstoff Gewinn machen. Tankstellen haben eine Gewinnspanne von 12 Cent.

Wer gegen die Verordnung verstößt, muss mit Strafen in Millionenhöhe rechnen. Die Verordnung gilt bis zum 30. Juni 2026. Auch in Griechenland sind seit Beginn des Irankriegs die Preise drastisch gestiegen.

Neu: Wer in Griechenland Anspruch hat, kann jetzt bis zu 60 Euro Zuschuss für Spritkosten beantragen. Die Regelung gilt im April und Mai – abhängig von Einkommen und Wohnort, aber nicht für ausländische Reisende.

Warum Tanken im Ausland oft günstiger ist

Selbst wenn der Literpreis aufgrund des Irankriegs in vielen Ländern Europas deutlich steigt, bleibt er vorerst oft unter den Kraftstoffpreisen in Deutschland. Fast immer liegt das daran, dass in solchen Ländern deutlich geringere Steuern und Abgaben auf Benzin und Diesel fällig sind – dafür gibt es dort aber in der Regel andere Einnahmequellen für den Staat, wie zum Beispiel eine Zulassungssteuer, die es in Deutschland nicht gibt.

Hinzu kommt, dass auch der Wechselkurs eine Rolle spielen kann, wie etwa in Polen. "Gewinnt die dortige Währung gegenüber dem Euro an Wert, schlägt sich das auch in den Spritpreisen nieder und sie erscheinen – wie beim Beispiel Polen – auf den ersten Blick noch mal ein wenig günstiger als bei uns", erklärt ADAC Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer.

Teurer als in Deutschland war der Diesel meistens in der Schweiz. Aktuell liegt der Preis im landesweiten Durchschnitt bei 2,31 Euro. Die Niederlande und Dänemark haben sehr oft höhere Kraftstoffpreise als Deutschland. Dort lohnt sich der Tankstopp meist nicht. Die Niederlande plant für Pendlerinnen und Pendler zeitlich befristete Steuerentlastungen, wovon ausländische Autofahrende aber nicht profitieren würden.

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Tanktourismus ins Nachbarland nicht immer ratsam

Viele Autofahrer und Autofahrerinnen überlegen, ins benachbarte Ausland zum Tanken zu fahren. In Tschechien führte dies bereits zu langen Warteschlangen an den Zapfsäulen. In der Slowakei wurde der Kraftstoff knapp.

Die günstigen Spritpreise in Slowenien, Polen, der Slowakei und Tschechien lösten in der Vergangenheit eine Art Tanktourismus aus. Doch während der Sprit im Tank (und bis zu 20 Liter in Reservekanistern) zollfrei die Grenze passieren darf, müssen größere Mengen verzollt werden. Der deutsche Zoll führt deshalb vermehrt Stichprobenkontrollen durch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Grenzgebieten Brandenburgs, Sachsens und Bayerns.

Der ADAC rät davon ab, lange Strecken oder größere Umwege nur zum Tanken zurückzulegen. Dies lohnt aufgrund des Kraftstoffverbrauchs für diese Strecken und auch wegen des Zeitaufwands selten. Wenn man allerdings sowieso in einem günstigen Land unterwegs ist, lohnt es sich natürlich, den Tank – zum Beispiel auch vor der Heim- oder Weiterreise – noch einmal vollzumachen. Wer zusätzlich Reservekanister füllen möchte, sollte die erlaubte Menge an Kraftstoff keinesfalls überschreiten.

Auch im Ausland regionale Unterschiede

Auch im Ausland gibt es zum Teil starke regionale Unterschiede. In manchen Ländern ist der Sprit außerdem – genau wie in Deutschland – an den Autobahnen sehr viel teurer als hinter der jeweils nächsten Ausfahrt. Darauf sollte man auch als Tourist achten. Wer für Deutschland die Spritpreise in Echtzeit verfolgen möchte, dem hilft die ADAC Drive App.

Mit Material von dpa.