Strompreis aktuell, Zusammensetzung und Europa-Vergleich
Von André Gieße

Wie setzt sich der Strompreis aktuell zusammen, was kostet eine Kilowattstunde im Schnitt und wo steht Deutschland im Vergleich mit den Ländern Europas? Ein kompakter Überblick.
Wie sich der Strompreis in Deutschland aktuell entwickelt
Wie viel eine Kilowattstunde Strom für Privatkunden kostet
Wie Steuern, Abgaben und Umlagen die Strompreise beeinflussen
Wie hoch ist der Strompreis aktuell?

Im April 2026 kostete eine Kilowattstunde Haushaltsstrom in Deutschland für Neukunden in den günstigsten Tarifen rund 26 bis 27 Cent pro Kilowattstunde (kWh) brutto. Diese Angebotsspanne haben die Online-Vergleichsportale Check24 und Verivox ermittelt. Sie enthält sowohl den Arbeitspreis pro kWh als auch den anteiligen Grundpreis. Die Strompreise können je nach Anbieter, Postleitzahl und Verbrauchsmenge im Haushalt variieren.
Mit einem günstigen Neukundentarif kann ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh in einem Einfamilienhaus also mit Stromkosten ab gut 900 Euro im Jahr rechnen. Bestandskunden zahlen mehr, da sie Verträge zu Strompreisen abgeschlossen haben, die damals höher waren. Auch die Grundversorgung ist teuer. Der Mittelwert aller verfügbaren Stromtarife für einen deutschen Musterhaushalt mit 3500 kWh Jahresverbrauch liegt aktuell bei 37 ct/kWh.
Die Stromkosten, die Haushalte an ihre Energielieferanten zahlen, setzen sich aus Arbeitspreis und Grundpreis zusammen. Beide variieren je nach Tarif und Region:
Der Arbeitspreis beim Strom, auch Verbrauchspreis genannt, richtet sich nach dem tatsächlichen Verbrauch eines Haushalts. Bei klassischen Stromtarifen ist er vertraglich festgeschrieben, bei dynamischen Stromtarifen kann er sich je nach Geschehen am Energiemarkt täglich ändern. Der Arbeitspreis setzt sich aus den Beschaffungskosten, Netzentgelten, Steuern, Umlagen und Abgaben zusammen.
Der Grundpreis beim Strom, auch Leistungspreis genannt, ist ein Festbetrag, den Haushalte unabhängig von ihrem tatsächlichen Verbrauch zahlen. Er hängt vom Stromversorger ab und deckt dessen fixe Kosten ab: etwa die Bereitstellung und Instandhaltung des Netzes, die Zählerablesung und Kundenservices. Einige Anbieter verzichten auf das pauschale Entgelt, dann kostet der Verbrauch mehr.
Der Arbeitspreis für die verbrauchte Strommenge und der pauschale Grundpreis werden bei den monatlichen Abschlagszahlungen berücksichtigt und in Cent pro Kilowattstunde auf der Stromrechnung ausgewiesen.
Wie entwickelt sich der Strompreis?
Der Strompreis in Deutschland ist 2026 gesunken und und beträgt durchschnittlich 37 ct/kWh. Im Jahr 2025 kostete Strom für Haushalte nach Angaben des Branchenverbandes BDEW im Schnitt noch 39,3 ct/kWh – das ist der Mittelwert der Preise sowohl bei Neu- als auch Bestandsverträgen. Zwar sinkt der Strompreis, dennoch zahlen Privatkunden heute mehr als vor der Energiekrise 2022.
Im Jahr 2022 waren die Strompreise für Haushalte durch den Ukraine-Krieg und die Abkehr von russischer Energie extrem gestiegen. Im Jahresdurchschnitt war der Großhandelspreis an den Strombörsen in Europa siebenmal so hoch wie noch 2020. Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern kamen diese Erhöhungen je nach Laufzeit ihrer Verträge teils erst später an.
Die Grundversorger erwarten, dass die Strompreise mittelfristig höher sein werden wie vor der Energiekrise. Das liegt an tendenziell steigenden Netzentgelten, die zum Ausbau der erneuerbaren Energien und Erreichen der Klimaziele nötig sind. Andererseits gibt es einige Argumente für niedrigere Strompreise: Etwa die günstigeren Erzeugungskosten durch Solar- und Windkraft.
Wie setzt sich der Strompreis zusammen?
Der Strompreis in Deutschland setzt sich aus drei Komponenten zusammen, die sowohl die Energiewirtschaft als auch der Staat beeinflussen: circa 41 Prozent Beschaffung und Vertrieb, 34 Prozent Steuern und Abgaben und 25 Prozent Netzentgelte. Der Durchschnittspreis aller verfügbaren Haushaltsstromtarife beträgt im Jahr 2026 laut BDEW-Strompreisanalyse bisher 37 ct/kWh.
Strombeschaffung und Vertrieb
Die Kosten für die Strombeschaffung, den Vertrieb und der eigene Gewinn sind der größte Bestandteil des Strompreises und werden von den Stromanbietern beeinflusst. Für Haushalte macht diese Komponente im Jahr 2026 durchschnittlich rund 41 Prozent des Strompreises aus. Das ist trotz Entspannung im Großhandel nach wie vor deutlich mehr als vor dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine, der zu einem Gasmangel geführt und somit die Strompreise stark verteuert hatte.
Die Strompreise werden durch Angebot und Nachfrage bestimmt und können stark schwanken. Liefern etwa Windräder an einem stürmischen Tag viel Energie oder fällt ein großes Kraftwerk aus, dann kann sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage in wenigen Minuten verändern. Um die Stromversorgung auch mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien zu sichern, gibt es mehrere Teilmärkte für den Stromhandel – mit verschiedenen Vorlaufzeiten vom Kauf bis zur Lieferung.
Netzentgelte

Die staatlich regulierten Netzentgelte machen im Jahr 2026 bisher einen durchschnittlichen Anteil von 25 Prozent des Strompreises für Haushalte aus. Diese Gebühren erheben die Betreiber der regionalen Verteilnetze dafür, dass sie Strom sicher transportieren und die Leitungen instand halten. Sie steigen immer weiter, weil die Netzbetreiber Jahr für Jahr mehr Geld in den Ausbau der elektrischen Infrastruktur investieren müssen. Auch die Gebühren für den Betrieb und die Wartung der Stromzähler sowie die regelmäßige Messung beziehungsweise Ablesung sind hier enthalten.
Das Netznutzungsentgelt zahlt jeder Energielieferant zunächst an den zuständigen Netzbetreiber. Danach legt er die Kosten über den Strompreis auf die Endkunden um. Die Höhe des Netzentgelts variiert je nach Region und Netzbetreiber enorm. Im Norden Deutschlands ist es meist teurer als im Süden, auf dem Land oft teurer als in der Stadt. Das hat vor allem mit höheren Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien beziehungsweise der geringeren Bevölkerungsdichte zu tun.
Bundeszuschuss soll Netzentgelte 2026 senken
Im Jahr 2026 will die Bundesregierung die Privathaushalte mit einem Milliardenzuschuss für Betreiber von Übertragungsnetzen finanziell entlasten. Sie geht im bundesweiten Durchschnitt von einer rund 17-prozentigen Preissenkung der Stromnetzentgelte aus. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern kommt von der angekündigten Entlastung laut einer Untersuchung der Verbraucherzentrale bisher außerdem deutlich weniger an.
Steuern, Abgaben und Umlagen
Rund 34 Prozent des Strompreises machen im Jahr 2026 staatlich veranlasste Steuern, Abgaben und Umlagen aus, die auf den Verbrauch erhoben werden. Die Umsatzsteuer von 19 Prozent und die Stromsteuer von 2,05 Cent pro kWh sind die größten Bestandteile. Außerdem gibt es die Konzessionsabgabe, die Energieversorger an die Kommunen zahlen, um auf öffentlichem Grund ihre Leitungen verlegen zu dürfen. Die Höhe dieser Abgabe variiert je nach Stadt und Gemeinde.
Hinzu kommen die Umlage nach dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG), eine Offshore-Netzumlage für den Ausbau der Offshore-Windenergie und ein individuelles Netzentgelt für Verbraucher, die besonders viel Strom ziehen. Die Einnahmen aus den Steuern, Abgaben und Umlagen fließen teils in den Bundeshaushalt, teils dienen sie direkt der Förderung erneuerbarer Energien oder unterstützen die Kommunen, damit diese ihre Ausgaben decken können.
Was kostet Strom im europäischen Vergleich?
Im europäischen Vergleich lag Deutschland im ersten Halbjahr 2025 beim durchschnittlichen Haushaltsstrompreis an der Spitze. In keinem anderen Land war Strom für Privatkunden so teuer. Die deutschen Strompreise lagen im Betrachtungszeitraum mit rund 38 Cent pro Kilowattstunde gut 31 Prozent über dem europäischen Durchschnitt von rund 29 Cent. Das berichtet Destatis unter Verweis auf die aktuellsten Angaben des Statistischen Amtes der Europäischen Union.
Der jeweilige Strompreis in den Staaten Europas und die Zusammensetzung hängt von mehreren Faktoren ab: Zum Beispiel der geopolitischen Lage, dem nationalen Energiemix, den Steuern und Netzkosten sowie Umlagen und Abgaben etwa für den Ausbau von erneuerbaren Energien. Auch der CO₂-Preis im europäischen Emissionshandel verteuert den Betrieb von Kohle- oder Gaskraftwerken. Zudem werden Haushalte von ihren Regierungen unterschiedlich finanziell entlastet.
Strompreise in Europa im 1. Halbjahr 2025
| Platz | Land | Strompreis |
|---|---|---|
1 | Deutschland | 38 ct/kWh |
2 | Belgien | 36 ct/kWh |
3 | Dänemark | 35 ct/kWh |
4 | Italien | 33 ct/kWh |
5 | Irland | 33 ct/kWh |
6 | Tschechien | 32 ct/kWh |
7 | Zypern | 29 ct/kWh |
8 | Österreich | 29 ct/kWh |
9 | Luxemburg | 27 ct/kWh |
10 | Frankreich | 27 ct/kWh |
... | ... | ... |
25 | Bulgarien | 13 ct/kWh |
26 | Malta | 12 ct/kWh |
27 | Ungarn | 10 ct/kWh |