Chinesische Autos im Test: Wie gut BYD, MG, Nio und Co. wirklich sind

• Lesezeit: 8 Min.

Von Jochen Wieler

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Mehrer weiße BYD´s Dolphin stehen hintereinander in einer Reihe
Der BYD Dolphin Surf verkauft sich als günstiger E-Kleinwagen auch hierzulande gut© BYD

Pkw chinesischer Hersteller fahren mittlerweile in relevanter Zahl auf deutschen Straßen. Doch wie gut sind die Autos von BYD, Nio, MG und Co.? Und was ist mit den Werkstätten und Ersatzteilen?

  • Zahlreiche chinesische Automarken in Deutschland

  • Meist gute Noten im ADAC Autotest

  • Im Detail zeigen sich noch Schwächen

Es tut ich etwas auf dem Automarkt: Etliche Marken aus China sind in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen, viele weitere werden folgen. Das Modellangebot wird von Monat zu Monat größer, die Absatzzahlen steigen ebenfalls kontinuierlich. Aber wie steht es um die Qualität der China-Autos? Sind die Fahrzeuge wirklich zu empfehlen?

Gute Noten für chinesische Autos im Test

Ein MG4 wird vom ADAC geprüft
Alle Autos im Test werden unter identischen Bedingungen unter anderem auf dem ADAC Prüfstand getestet. Hier der MG4© ADAC/Test und Technik

Sie sind grundsätzlich zu einer echten Alternative zu den etablierten Marken geworden, wie der ADAC Autotest zeigt. Unter den gefällig gezeichneten Karosserien steckt in der Regel ein vollelektrischer Antrieb oder immer öfter auch ein Plug‑in-Hybrid, die Akkutechnik erscheint ausgereift und die Reichweiten sind passabel. Die meisten Modelle fahren sogar Bestnoten beim Euro-NCAP-Crashtest ein.

Selbst die solide Verarbeitungsqualität stünde manch etabliertem Konkurrenten gut zu Gesicht – von der meist guten Serienausstattung mal ganz abgesehen. Und weitreichende Garantien sollen Vertrauen schaffen.

Schwachstellen gleichen die Chinesen meist schnell aus. So hatte der Smart #1 anfangs Probleme beim schnellen Ausweichen – sein ESP regelte nicht gut genug. Beim Ora Funky Cat (zwischenzeitlich hieß er GWM Ora 03, mittlerweile wurde er eingestellt) wiederum zeigte sich im Test beim Laden ein gefährlicher Funkenflug. Beides wurde flugs behoben. Gute Nachrichten für den Verbraucherschutz, aber es zeigt auch: Anders als bei den routinierten, etablierten Autobauern fehlt es oft am Feinschliff (siehe auch weiter unten).

Tabelle: Chinesische Autos im ADAC Test

Etliche chinesische Modelle haben bislang den ADAC Autotest durchlaufen. Alle erzielen die Gesamtnote "gut" und sind damit "empfehlenswert". Welche Modelle bisher getestet wurden und wie sie abgeschnitten haben, lässt sich der folgenden Tabelle entnehmen. Ein Klick auf den Autonamen führt zum ausführlichen Testbericht:

MarkeModellNote im ADAC AutotestTestjahr

Aiways*

U5

2,5

2021


U6

2,4

2023

BYD

Atto 2

2,4

2025


Atto 3

2,1

2023


Dolphin

2,3

2024


Dolphin Surf

2,6

2025


Seal

2,0

2024


Seal U

2,3

2024


Seal U DM-i

2,5

2025


Sealion 7

2,0

2026

Leapmotor

T03

2,9

2025

Lynk & Co

1

2,4

2022


8

2,3

2025

MG Roewe (SAIC)

HS

2,4

2026


Marvel R**

2,4

2023


MG3

2,6

2024


MG4

2,2

2024


MG4 Urban

2,5

2026


MG5**

2,4

2022


MGS5 EV

2,0

2025


MG ZS EV

2,4

2023

Nio

EL6

2,0

2024


EL7

2,0

2023


EL8

1,8

2025


ET5

1,8

2023


ET5 Touring

1,9

2023


ET7

1,9

2023

Ora

Funky Cat (03)**

2,2

2023

Smart

Smart #1

1,9

2023


Smart #3

1,9

2025


Smart #5

1,9

2026

Xpeng

G6

2,0

2025


G9

2,1

2024


P7**

2,2

2025


P7+

2,3

2026

* Marke hat den Vertrieb in Deutschland eingestellt ** Modell wurde eingestelltAufgeführt sind Modelle von Herstellern mit Firmensitz in China. Polestar ist daher nicht dabei, der Firmensitz liegt in Schweden.

Bilder und Kurzbewertung

Auffallend gut haben die Modelle von Nio abgeschnitten, vier von sechs Autos erzielten sogar eine Eins vor dem Komma. Allerdings: Günstig geht anders – bei Preisen zwischen 50.000 und mehr als 100.000 Euro lässt sich von "Billig-Konkurrenz" für BMW und Mercedes kaum sprechen.

Die bislang mageren Verkaufszahlen von Nio zeigen, dass sich die Käuferinnen und Käufer in dieser Preisklasse wohl nicht so leicht von einer Marke überzeugen lassen, die hierzulande weitgehend unbekannt ist. Ein Selbstläufer sind chinesische Marken offenbar nicht. Wie lange gerade Nio noch auf dem deutschen Markt durchhält, ist ohnehin fraglich. Im Jahr 2026 wurden von Januar bis September gerade mal 20 Autos zugelassen.

Auch Aiways ist de facto nicht mehr existent. Der Verkauf von Neuwagen wurde eingestellt und eine klare Aussage von Aiways zur Zukunft der Marke gibt es nicht. Auch die rund 1000 Aiways-Kunden in Deutschland werden im Unklaren gelassen. Eine gewisse Vorsicht beim Kauf von neuen, unbekannten Marken mit geringen Stückzahlen ist also geboten.

Wie preiswert sind chinesische Modelle?

Nicht alle Autos aus China sind günstig, wie das Beispiel Nio zeigt. Es gibt aber auch sehr preiswerte Modelle. Ein Leapmotor T03 etwa ist ab 18.900 Euro zu haben, das kompakte SUV MG ZS ab rund 21.000 Euro, Polo-Konkurrent Geely E2 ab 19.990 Euro. Und BYD macht momentan durch heftige Preisnachlässe Marktanteile. Warum sind chinesische Autos oft günstiger? Niedrigere Lohnkosten zum einen, aber auch staatliche Subventionen und Überproduktionen sorgen für vergleichsweise gute Angebote.

Wo gibt es noch Nachholbedarf?

Assistenzsysteme

Die Sensoren und Kameras am Nio ET7
Nio-Modelle sind, wie hier gut am Dach zu sehen ist, mit Sensoren für die Assistenzsysteme gespickt© ABGEDREHT

Trotz guter Noten im Test gibt es im Detail Verbesserungspotenzial. Ein Kritikpunkt, der sich wie ein roter Faden durch die Tests nahezu aller getesteten Fahrzeuge zieht, sind die teils unzuverlässig funktionierenden und nervigen Fahrerassistenzsysteme. Hier zeigt sich, dass es langjährige Erfahrung erfordert, um komplexe Systeme wie einen Abstandsregeltempomaten oder einen Spurhalteassistenten so zu entwickeln, dass sie robust und vorhersehbar funktionieren.

Es scheint so, als würde man mehr Wert auf die bloße Existenz eines Assistenzsystems legen als auf dessen Funktionsweise. Eigensinnige Spurhaltesysteme, eine schlechte Verkehrszeichenerkennung, ein wenig sensibles Eingreifen in das Fahrgeschehen und eine oftmals übertriebene akustische Warnung vor vermeintlichen Gefahren lassen das Vertrauen in die Technik schnell schwinden – mit dem Effekt, dass Fahrerinnen oder Fahrer die eigentlich hilfreichen Systeme einfach abschalten, weil sie Fehlfunktionen und andauerndes Gebimmel nicht ertragen.

Nio rühmt sich zwar mit einer einzigartigen Armada an Sensoren (33 Sensoreinheiten), die auch deutlich sichtbar am Fahrzeug angebracht sind. Trotzdem arbeiten die meisten Assistenten der Nio-Modelle nicht besonders zuverlässig. Doch die Chinesen lernen auch in diesem Bereich schnell. Neuere Modelle zeigen sich bei der Abstimmung inzwischen teils deutlich verbessert.

Bedienung

Cockpit des Leapmotor B03X
Knöpfe finden sich kaum noch, wie hier im Cockpit des Leapmotor B03X© Leapmotor

Die Bedienung stößt im ADAC Test ebenfalls auf Kritik. Nahezu alle Funktionen werden über einen Touchscreen gesteuert – haptische Tasten gibt es in der Regel kaum noch. Erschwerend hinzu kommen bei manchen Modellen teils kleine Schriften, missverständliche Übersetzungen, vertrackte Menüstrukturen oder diverse Softwarebugs.

Selbst das Radio funktionierte bei einigen Modellen nicht oder fiel mit einem schwachen Senderempfang negativ auf. Dies ist überraschend, attestiert man den Chinesen doch in den Medien oftmals eine Überlegenheit auf dem Gebiet der Software und Elektronik.

Einige Modelle haben sich auch bei der Klimatisierung schwergetan und schafften es nicht, den Innenraum ausreichend aufzuheizen, oder waren mit beschlagenen Scheiben überfordert.

Werkstattnetz: Genügend Händler?

Ein paar schaut sich in einem Autohaus um
Einige Marken aus China setzen auf klassische Händler, von manchen gibt es nur in großen Städten Showrooms© iStock.com/Robert Way

Das Werkstatt- bzw. Händlernetz der chinesischen Hersteller ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Am besten aufgestellt zeigen sich BYD, GWM, Maxus, XPeng und MG: Sie haben in Deutschland ein flächendeckend gut ausgebautes Händlernetz. In der Regel handelt es sich dabei um Mehrmarkenhändler, die neben der neuen chinesischen Marke auch einen bereits etablierten Hersteller betreuen. Schwerer tun sich Marken ohne (gutes) Händlernetz, wie zum Beispiel Nio.

Ersatzteilversorgung

Die Windschutzscheibe ist kaputt und es ist einfach keine neue aufzutreiben? Von solchen oder ähnlichen Erfahrungen bei chinesischen Marken berichten Kundinnen und Kunden immer wieder. Manche Ersatzteile haben in der Tat Lieferzeiten von zum Teil mehreren Wochen. Dadurch kann sich beispielsweise eine Unfallreparatur deutlich in die Länge ziehen. Gerade Karosserieteile sind oft schwer zu bekommen – mit unverhältnismäßig langen Standzeiten als Folge.

Newcomer XPeng hat das Problem erkannt und will laut Deutschland-Chef Markus Schrick deshalb in Deutschland ein eigenes Ersatzteillager errichten, um nicht bei jedem neuen Kotflügel auf ein Schiff aus China warten zu müssen. Weitere chinesische Hersteller ziehen nach.

Der Hersteller ist pleite – was nun?

Da die Zukunft einiger chinesischer Hersteller sehr unsicher ist, könnte es zu juristischen Schwierigkeiten kommen. Sollte ein Hersteller oder auch der Generalimporteur in Deutschland vom Markt verschwinden, fehlt der Kundin oder dem Kunden der Vertragspartner. Existiert kein juristischer Nachfolger, gibt es niemanden, der für Garantieansprüche haftbar gemacht werden kann.

Es sei denn, man hat das Fahrzeug direkt bei einem Händler gekauft, der gleichzeitig auch Vertragspartner ist. Dann ist der Händler in der Pflicht. Doch Vorsicht: Oftmals ist der Vertragspartner eben nicht der Händler, sondern der Hersteller – zum Beispiel wenn der Vertrag online abgeschlossen wurde!

Und wie sieht es bei einer Pleite mit der Ersatzteilversorgung aus? Existiert der Hersteller nicht mehr, kann niemand verpflichtet werden, Ersatzteile anzubieten. Für Käuferinnen und Käufer von Autos neuer Hersteller besteht also immer die Gefahr, dass die Ersatzteilversorgung nicht aufrechterhalten wird, falls es den Hersteller nicht mehr gibt – und dass es auch keinen mehr gibt, der sich mit dem Auto auskennt und es reparieren kann. Mehr dazu im Artikel zur Insolvenz von Autoherstellern.

Risiko Wertverlust

Wie hoch der Wertverlust bei chinesischen Fahrzeugen sein wird, lässt sich derzeit noch schwer abschätzen. Grund: Zur Verfügbarkeit von Ersatzteilen, zur Langzeitqualität und zur künftigen Nachfrage auf dem Gebrauchtwagenmarkt kann derzeit noch keine Aussage getroffen werden – doch davon hängt der Wertverlust in erster Linie ab.

Verschwindet der Hersteller allerdings vom Markt, kann man davon ausgehen, dass ein Fahrzeug dieser Marke nur noch schwer an den Mann oder die Frau zu bringen ist, mit entsprechend hohen finanziellen Risiken. Daher kann es sinnvoll sein, Fahrzeuge einer neuen China-Marke besser zu leasen statt zu kaufen.

China-Marken: Ein Kommen und Gehen?

Fahraufnahme des HiPhi Z von hinten
Kaum gestartet, längst wieder weg. Unter anderem mit dem auffälligen HiPhi Z wollte die Marke Human Horizon punkten© HiPhi/CharlieBPhotography

Ein genereller Ausblick in die Zukunft der chinesischen Hersteller in Deutschland fällt schwer. Bei der Vielzahl an Marken, die aktuell auf den Markt drängen, wird es aufgrund der enormen Konkurrenzsituation – auch untereinander – zwangsläufig zu einer Marktbereinigung kommen.

Wie es zum Beispiel mit der finanziell angeschlagenen Marke Aiways weitergeht, ist unklar. HiPhi ist, kaum auf dem Markt, schon wieder verschwunden. Auch Borgward hatte nur ein kurzes Leben.

Anders sieht es bei Marken wie BYD, MG oder Smart aus, die über große Kapitalreserven oder vermögende Mutterfirmen (SAIC bei MG, Geely und Daimler bei Smart) verfügen. Sie sind finanziell solide aufgestellt und haben damit besonders bei dem aktuell herrschenden Konkurrenz- und Preisdruck auf dem Automarkt einen längeren Atem.

Marktanteile chinesischer Automarken in Deutschland

Welche chinesischen Marken das Kraftfahrt-Bundesamt für Deutschland listet und welche Zulassungszahlen und Marktanteile die chinesischen Marken haben, zeigt die Tabelle. Derzeit spielen in Deutschland lediglich BYD, MG Roewe und Leapmotor eine größere Rolle. Wie sich die anderen Marken entwickeln, wird sich noch zeigen.

MarkeNeuzulassungen von Januar bis September 2026Marktanteil in Prozent

BYD

42.788

1,9


MG Roewe

27.363

1,2


Leapmotor

16.044

0,7


XPeng

7023

0,3


Smart

6631

0,3


Geely

2267

0,1


GWM (Great Wall Motors mit Ora und Wey)

1189

0,1


Lynk & Co

927

0,0


Zeekr

475

0,0


Jaecoo (Chery)

468

0,0


Lotus

226

0,0


Omoda (Chery)

181

0,0


Deepal

158

0,0


Dongfeng

51

0,0


Nio

20

0,0


JAC

16

0,0


Maxus

16

0,0


Chery

3

0,0


Quelle: Kraftfahrtbundesamt (KBA)

Weitere neue Marken stehen längst in den Startlöchern – Seres zum Beispiel (Testfahrt Seres 5), Voyah, JAC Motors und Hongqi.

Fachliche Beratung: Alexander Werner, Maximilian Bauer/ADAC Technik Zentrum